Doğan Ucar
Doğan Uçar
Geschäftsführer

Bewerberdaten gehören zu den sensibelsten Datenkategorien in Unternehmen. Namen, Lebensläufe, Gehaltsvorstellungen, Fotos und manchmal sogar Gesundheitsinformationen werden verarbeitet. Wenn diese Daten in einer Cloud-basierten Recruiting-Software liegen, gelten strenge DSGVO-Anforderungen, die viele KMU unterschätzen.

DSGVO-Anforderungen bei der Bewerberverarbeitung

Die Verarbeitung von Bewerberdaten basiert auf § 26 BDSG (Beschäftigtendatenschutzgesetz) in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO. Daraus ergeben sich konkrete Pflichten:

  • Zweckbindung: Bewerberdaten dürfen nur für das konkrete Bewerbungsverfahren verwendet werden
  • Löschfristen: Nach Abschluss des Verfahrens müssen Daten abgelehnter Bewerber innerhalb von 6 Monaten gelöscht werden – es sei denn, es liegt eine Einwilligung zur Aufnahme in einen Talentpool vor
  • Transparenz: Bewerber müssen vor der Datenerhebung über die Verarbeitung informiert werden (Datenschutzerklärung im Bewerbungsprozess)
  • Einwilligung für Talentpool: Die Aufnahme in einen Talentpool erfordert eine separate, freiwillige Einwilligung
  • Recht auf Auskunft und Löschung: Bewerber können jederzeit Auskunft über ihre Daten verlangen und deren Löschung einfordern

Was Cloud-Recruiting-Software bieten muss

AnforderungWarum wichtig
Automatische LöschfristenBewerberdaten werden nach definiertem Zeitraum automatisch gelöscht
EinwilligungsmanagementDokumentation und Verwaltung von Talentpool-Einwilligungen
Datenschutzerklärung im BewerbungsformularDSGVO-konforme Information vor der Datenerhebung
Zugriffsrechte und Audit-TrailNur berechtigte Personen dürfen Bewerberdaten sehen
EU-HostingBewerberdaten müssen in der EU gespeichert werden
ExportfunktionFür Auskunftsersuchen müssen Daten exportierbar sein

Risiken bei US-amerikanischen Recruiting-Tools

Viele populäre Recruiting-Tools wie Greenhouse, Lever oder Workday sind US-amerikanische Anbieter. Die Nutzung ist nicht per se verboten, erfordert aber besondere Sorgfalt: Standardvertragsklauseln (SCC) müssen vereinbart sein, ein Transfer Impact Assessment sollte durchgeführt werden und zusätzliche technische Schutzmaßnahmen wie Verschlüsselung mit eigenen Schlüsseln sind empfehlenswert.

Wenn Sie spezifische Anforderungen an Ihre Recruiting-Software haben, die kein Standardtool abdeckt, kann eine individuelle Lösung die DSGVO-konforme Alternative sein. Kontaktieren Sie uns für eine Beratung.

Fazit

Cloud-basierte Recruiting-Software verarbeitet hochsensible Daten. KMU müssen bei der Auswahl besonders auf DSGVO-Konformität achten: automatische Löschfristen, Einwilligungsmanagement, EU-Hosting und granulare Zugriffsrechte sind Pflichtfunktionen.

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